Bericht über das Jahr 2009

Jahresrückblick 2009

Nach der Winterpause fand Anfang Februar wieder ein Erzählcafe  statt, bei dem in kleiner Runde alte Lousberger Gelegenheit haben, sich wiederzutreffen, alte Kontakte aufleben zu lassen und neue zu knüpfen. Alte Fotographien und Bilder machten die Runde und weckten Erinnerungen, die unser Chronist Karlheinz Dannert festhält.

Im März führte der Kunsthistoriker Georg Tilger viele auf den Spuren des barocken Baumeisters J.J. Couven vom Pavillon am Lousberg zum Seilgraben -  wo sich im 19. Jahrhundert hinter dem jetzigen Studentenwohnheim im Garten des barocken Hauses Fey der „Nuellens Pavillon“ befand, der jetzt ein eher trauriges Dasein am Burtscheider Kurgarten fristet. Reste der barocken Treppe sind hier noch vorhanden und lassen die ehemals prächtige Gartenanlage erahnen.
Vom Seilgraben ging es weiter zum Annuntiatenbach. Dort stand bis 1907 „unser Pavillon“ als Gartenhaus des Färbermeisters Mantels. Georg Tilger wies auf dem Weg noch auf das Fragment des Wespienhauses an der Turnhallenwand des KKG in der Kockerellstraße hin, ehe sich alle zum Abschluß im Couven-Museum einfanden, wo Teile der Vertäfelung, der Marmorkamin und die reichgeschnitzten Türen des Lousberg-Pavillons zu bewundern sind.

Im März fand auch die Jahresmitgliederversammlung statt. Der 1. Vorsitzende Axel Deubner wurde von Frau Spiegel vertreten, da er aus geschäftlichen Gründen für einige Zeit von seinen Verpflichtungen als Vorsitzender entbunden sein wollte. Vor Eintritt in die Tagesordnung stellte Anette Sommer vom Sozialwerk Aachener Christen die Aktivitäten ihres Teams auf dem Lousberg mit einer Präsentation typischer Arbeiten vor. Das soziale Projekt fand bei allen Anwesenden große Anerkennung. Sodann wurde dem Vorstand für seine engagierte Arbeit gedankt, er wurde entlastet und die Versammlung endete bei sonnigem Vorfrühlingswetter mit einem Umtrunk.

Bei der Frühjahrsaktion unter Leitung unseres Landschaftsarchitekten Hans Sauren im April versammelten sich wieder die unermüdlich Aktiven, um den Bereich um den Pavillon für die neue Saison „aufzumöbeln“.

Der „Literarisch-musikalische Spaziergang“ mit Mona Creutzer und Christian Cadenbach vom Theater K und dem Chor Charivari führte in diesem Jahr vom Lousberg in den (jetzt städtischen) Müschpark. Es war ein sonniger Frühlingsspaziergang mit Texten aus „Die Lehrlinge von Sais“ von Novalis: eine Naturgeschichte zwischen Märchen und Abhandlung zu Themen des Umgangs mit der Natur, die heute große Aktualität haben. Der Charme des Parks wurde durch den poetisch-musikalischen Rundgang in ganz besonderer Weise neu erfahrbar. Wegen des großen Zuspruchs wurde diese Veranstaltung im Oktober wiederholt.

Tradition hat schon die musikalische Sonntagsmatinee im Mai mit dem Quartetto Arcato Aachen -wieder vor vielen begeisterten Zuhörern, die die mit musikalischer Leidenschaft dargebotenen Stücke von Mozart, Haydn und Mendelssohn mit großem Genuss erlebten.

Über 30 interessierte Mitglieder und Freunde der Lousberg Gesellschaft fuhren im Juni nach Kleve, wo am Vormittag der Gartenhistoriker Wilhelm Diedenhoven die Gruppe durch die großartig angelegte barocke Parkanlage am sog. Neuen Tiergarten mit Amphitheater, Alleen und Sichtachsen führte als auch durch den von Maximilian Friedrich Weyhe geplanten „Forstgarten“ mit seinen besonderen Bäumen und Busch- und Pflanzengruppen - vorbildlich wieder hergestellt und gepflegt. In der Mittagszeit war  Gelegenheit, eine beeindruckende Ausstellung des italienischen Künstlers Ettore Spalletti im Museum Kurhaus Kleve zu besuchen sowie die Sammlung von Werken des in Aachen geborenen Ewald Mataré. Am Nachmittag wurden wir von Gerlinde Semrau-Lensing, Vorsitzende des Arbeitskreises Kermisdahl-Wetering, durch den historischen Landschaftspark (Alter Tiergarten) des Fürsten Johann Moritz von Nassau-Siegen geführt, der „Cleve“ in der Mitte des 17. Jahrhunderts zu einem europäischen Zentrum der Gartenkunst machte. Der sehr rührige Arbeitskreis versucht mit großem Engagement und mit Unterstützung der NRW -Stiftung die kulturelle Leistung der Gartenkunst des Barocks in Kleve und seiner Umgebung wieder erlebbar zu machen.

Ein schöner Auftakt für die 2. Hälfte des Jahres war im August unserer Sommerfest – wieder mit drei  Pferdchen, die immer dicht umlagert waren, und wieder mit abwechslungsreichen Kinderspielen, kleinem Theaterstück, Musik, Kinderflohmarkt, Eismann, der Kaffee- und Kuchentheke des Sozialwerks und vielen Lousberg - Fans.

Im August führte ein Ausflug nach Düren. Frau Kussinger-Stancovic vom Denkmalamt Düren konnte uns den besonderen Charakter einer im Krieg völlig zerstörten und dann sparsam und klar in den 50er Jahren wiederhergestellten Stadt nahe bringen. Besonders der Besuch der Kirche St. Anna war für alle ein großes Erlebnis: Der im Jahr 1956 fertiggestellte Neubau am Ort der traditionsreichen kriegszerstörten Hauptkirche der Stadt Düren wurde entworfen von Rudolf Schwarz und gilt heute als eine der bedeutendsten Zeugnisse deutscher Kirchenarchitektur des 20. Jahrhunderts. Die Bauleitung hatte der Architekturprofessor Rudolf Steinbach, der in dieser Zeit den Couven-Pavillon am Lousberg bewohnte. Der Kirchturm, in dem jetzt eine kleine Schatzkammer eingerichtet ist, wurde in den Jahren 1963-64 von Maria Schwarz entworfen. Am Nachmittag stand die Besichtigung des „Schillingsparks“ in Düren-Gürzenich auf dem Programm. Dieser Park in Privatbesitz hat als Landschaftsgarten einen ganz außergewöhnlichen Charakter. Er ist geprägt von fünf großen ehemaligen Fischteichen, angelegt im 15. Jahrhundert; im 19. Jahrhundert wurden - ganz im Stil der Gartenkunst dieser Zeit - eine Vielzahl von pittoresken Parkgebäuden, Grotten und hölzerne Brücken eingefügt. Durch den Krieg sehr zerstört, konnte durch großes Engagement der jetzigen Eigentümer mit Hilfe der Denkmalämter von Stadt und Land in den 90er Jahren mit der aufwändigen Sanierung des Parks begonnen werden. Im Jahr 2000 wurde den Eigentümern dafür der Rheinische Denkmalpreis verliehen.

Die Lousberg Gesellschaft beteiligte sich im September am Tag des Offenen Denkmals, der unter dem Motto „Orte des Genusses“ stand mit einem besonderen Programm: Nach einem abwechslungsreichen Spaziergang über den Lousberg mit Ulla Borsch wurden die Besucher im Pavillon mit Harfenmusik empfangen, gespielt von Yvonne Bonn. Das Programm endete mit Imbiß und Umtrunk.

Die international bekannten Fotokünstler Barbara und Michael Leisgen, als alte Lousberger dem Berg sehr verbunden, zeigten im September eine Werkgruppe, die in Aachen noch nicht zu sehen war: „Der Gang der Dinge“ – Momentaufnahmen der Sonnenfinsternis von 2001. Barbara und Michael Leisgen haben sich als bildende  Künstler schon sehr früh in den 70er Jahren dem Medium der Fotografie zugewandt und in ganz besonderer Weise ihre Verbindung zur Natur, zur Landschaft und zu kosmischen Erscheinungen und Ereignissen mit der Kamera erfasst.

Im Oktober wurde der literarisch-musikalische Spaziergang wiederholt - mit Variationen und in herbstlicher Atmosphäre eine schöne Ergänzung zum Spaziergang im Frühjahr.

Die Salvatorkirche war nun endlich auch einmal Thema: Dr. Frank Pohle vom Historischen Institut der RWTH Aachen beschrieb im Oktober ausführlich und kenntnisreich die wechselvolle Geschichte der alten Klosteranlage von den Ursprüngen in karolingischer Zeit an über das Mittelalter die napoleonische Zeit und dem Neuaufbau Ende des 19. Jahrhunderts bis heute.

Anfang November hatte der Architekt Luc Merx Gelegenheit, parallel zur Ausstellung im Couven-Museum, im Pavillon eine Installation zum Thema „Rokokorelevanz“ zu zeigen, das er uns im Jahr zuvor in einem Vortrag vorgestellt hatte. Der einführende Vortrag von Prof. Axel Sowa, Lehrgebiet Architekturtheorie der RWTH Aachen, vermittelte anschaulich die Welt des Rokoko. Luc Merx und seine Mitarbeiter beziehen sich in ihren Forschungen und Experimenten auf diese Zeit, da diese für sie ein besonders reichhaltiges Potenzial an Bildern und Räumen bereit hält. Dabei entdecken sie Parallelen zur heutigen Architektur, in der - sowohl vom Computer als auch von technischen Innovationen und neuen Materialien ermöglicht - ähnliche Formen und Räume entwickelt werden können.

Bei Novemberwetter hatten sich erfreulich viele - Regen und Sturm zum Trotz - ans notwendige herbstliche Schneiden, Pflanzen und Laubfegen rund um den Pavillon gemacht.

Mitte Dezember wurde der Pavillon wieder Treffpunkt von Mitgliedern und Freunden, die nach einem nachdenklich-heiteren, literarisch-musikalischen Auftakt mit Mona Creutzer und Susanne Schrage einen geselligen Vormittag am weihnachtlichen Büffet verbrachten.

Wir freuen uns über die rege Teilnahme am Programm und unseren Aktivitäten; der Vorstand dankt zudem allen, die die Lousberg Gesellschaft praktisch oder finanziell unterstützt haben.

Angeregt durch eine Schenkung von Büchern und Bildern zum Lousberg und zu Parks und Gärten aus dem Nachlass des ehemaligen Stadtgartendirektors Groetzner sind wir dabei, ein Archiv im Untergeschoss des Pavillons einzurichten, das Karlheinz Dannert betreut.

Wer Bücher, Bilder, Graphiken, Fotographien u.ä. besitzt und sie der Lousberg Gesellschaft zur Bearbeitung anvertrauen möchte, den bitten wir,  sich zu melden.