Bericht über das Jahr 2007

200 Jahre Lousberg-Park 1807 - 2007

Das Jahr 2007 stand im Zeichen des Lousberg-Jubiläums : Vor 200 Jahren wurde mit der Bepflanzung des bis dahin kahlen Berges begonnen. Auf die Umwandlung in einen Park mit Spazierwegen, größeren und kleineren Wiesenflächen und Aussichtspunkten, wird in diesem Jahr in Vorträgen immer wieder hingewiesen. Auch die Errichtung des Obelisken sollte nach genau 200 Jahren besonders gefeiert werden.
 
Das Veranstaltungsprogramm begann im Januar mit einem Vortrag von Professor Werner Kasig, der die zahlreichen Besucher mit Folien und Bildern durch die Jahrmillionen der erdgeschichtlichen Entwicklung des Lousbergs und seiner Umgebung führte.
 
Nach der Mitgliederversammlung im Februar wurden die Veranstaltungen im Pavillon im März fortgesetzt mit einem Vortrag von Dr. Thomas Kraus, dem Leiter des Aachener Stadtarchivs, über 20 Jahre französischer Herrschaft in Aachen von 1794 - 1814, die die Stadt auch baulich verändert und modernisiert hat (Schleifen der mittelalterlichen Wälle, Anlegen von Promenaden und neuen Straßen etc.), und deren allgemeine Reformen in juristischer und wirtschaftlicher Hinsicht bis heute Grundlage unserer modernen Gesellschaft ist.
 
Im März fand auch diesmal wieder unsere Frühjahrspflanzaktion statt. Unter Anleitung unseres Mitglieds,des Landschaftsarchitekten Hans Sauren und der großen Hilfe von Anette Sommer vom Sozialwerk Aachener Christen mit ihren Leuten wurde der Böschungsbereich des Pavillons neu gestaltet und bepflanzt. Der bisher regnerische Sommer hat die Pflanzen gut gedeihen lassen.
 
Das große Interesse im letzten Jahr am Vortrag von Karlheinz Dannert über die Nizzaallee hat uns veranlaßt, ihn zu bitten, den Vortrag im April zu wiederholen. Auch in diesem Jahr konnte der Pavillon die vielen Besucher nicht fassen. Das Buch von Herrn Dannert über die Nizzaallee, das die Lousberg-Gesellschaft Anfang August als Band 1 einer Schriftenreihe herausgegeben hat, ist im Beisein des Oberbürgermeisters dann der Presse vorgestellt worden und auf dem Lousbergfest am 12. August erstmals zu erwerben gewesen.
 
Auch Kinderveranstaltungen erfreuen sich großer Beliebtheit. So versammelten sich im Mai viele Kinder im Pavillon, um mit der Geschichtenerzählerin Maria Riga unter dem Motto: „ Es war einmal... ein lieber Wolf auf dem Lousberg“. ein bekanntes Märchen neu zu erfinden und natürlich mit gutem Ausgang enden zu lassen.
 
Im Mai besuchten die Laurensberger Heimatfreunde die Lousberg-Gesellschaft im Pavillon, nachdem sie von Ulla Borsch in einem kurzweiligen Spaziergang über den Lousberg geführt worden waren.
 
Die Fortsetzung der Couven-Exkursion vom letzten Jahr führte uns in diesem Jahr im Mai über Vaals, Vaalsbroek, Valkenburg nach Houtem und hat uns unter der kundigen Leitung von Dr. Christine Vogt wieder viel über Couven und seine Zeit erfahren lassen.
 
Ende Mai hat der Lousberg eine besondere Auszeichnung erfahren: Er wurde in das Europäische Gartennetzwerk aufgenommen. In einer kleinen Feierstunde erhielt der Oberbürgermeister im Pavillon die Plakette des „European Garden Heritage Network“ (EGHN). Hingewiesen wurde bei dieser Gelegenheit sowohl von der Vertreterin des Landschaftsverbandes als Projektpartner des EGHN, als auch von der stellv. Vorsitzenden der Lousberg Gesellschaft Sibille Spiegel, dass ein Parkpflegewerk für den Lousberg Park in Auftrag gegeben werden müsse – wie es bei allen ausgezeichneten Gärten und Parks des EGHN Voraussetzung ist.
 
Der Juni begann musikalisch : Das Quartetto Arcato Aachen spielte Musik aus der Entstehungszeit des Lousberg-Parks: Von der Spätklassik bis zur Frühromantik.
 
Die Führung mit Kirsten Evenschor über den Lousberg unter dem Motto „Tausche Feuerstein gegen Mammutfellmütze“ hat in diesem Jahr eine aufmerksame Kinderschar mit Eltern auf den Lousberg gelockt. Begeistert haben die Kinder in den Überresten des Feuersteinbergwerks gestöbert und das steinzeitliche Leben beim Feuermachen und Brotbacken getestet.
 
Am 22. Juni wurde genau um 10:32 Uhr, „als vor 200 Jahren die Sonne in das Sternzeichen des Krebses eintrat“, am Obelisken mit vielen interessierten Mitbürgern die Errichtung des Tranchot-Obelisken gefeiert. Dietmar Spiegel hatte im März auf das historische Datum hingewiesen, die Veranstaltung vorbereitet und Entwürfe für Informationstafeln hergestellt unter Mithilfe von Power u. Radach (Layout), dem Landesvermessungsamt und dem Geodätischen Institut der RWTH, das an diesem Tag im Pavillon auch alte und neue Vermessungsgeräte ausstellte. In unserem Mitglied Herrn Fuss hatte er einen sehr engagierten Mitstreiter gefunden, der in Absprache mit der Denkmalpflege auf eigene Kosten den Obelisk steinmetzmäßig saniert und Sponsorengeld (Sparkasse Aachen) eingeworben hat; Frau Sommer war mit ihren Leuten und Deubner Baumaschinen an der Reinigung des Obelisk beteiligt. Wie und aus welchem Material in Zukunft Informationstafeln am Obelisken angebracht werden können, wird derzeit mit der Denkmalpflege geklärt.
 
Mitte des Jahres 2006 war von der Stadt an ein auswärtiges Landschaftsbüro ein „Ziel- und Maßnahmenkonzept“ für den Lousberg in Auftrag gegeben worden, das - im Dezember 2006 dem Vorstand vorgestellt – in vielen Punkten auch schriftlich kritisiert wurde. Auf diese Kritik haben die beteiligten Ämter nicht reagiert.
 
Wir haben dann in Gesprächen mit den Ausschußvorsitzenden der beteiligten Gremien des Rates über das Konzept gesprochen und unsere Bedenken erläutert. In der Mitgliederversammlung im Februar, ausführlicher in einer gesonderten Veranstaltung mit dem beteiligten Landschaftsarchitekten, gab es eine Aussprache über unsere Bedenken. Immer wieder haben wir sowohl gegenüber den zuständigen Ämtern der Stadt als auch in einem Brief an den Oberbürgermeister betont, dass vor weiteren Eingriffen in den Park ein „Parkpflegewerk“ zu erstellen sei.
 
Auch die Obere Denkmalbehörde wurde eingeschaltet. Frau Engelen, zuständig im diesem Amt für die Gärten und Parks im Rheinland, hat sich deutlich gegenüber der Stadt geäußert, ein Parkpflegewerk zu erstellen. Ein „intensives Quellenstudium mit anschließender Darstellung der Entwicklungsgeschichte, eine Bestandskartierung, die Bewertung der Parkanlage und die Erarbeitung der gartendenkmalpflegerischen Zielsetzung mit der Darstellung partieller Wiederherstellungsmaßnahmen sowie Erhaltungs- und Pflegemaßnahmen für die zukünftige Entwicklung des Lousberg Parks sei unerlässlich.“ Sie hat ihre Unterstützung und Vorschläge für eine mögliche Finanzierung zugesagt.
 
Gemeinsam haben der Arbeitskreis Denkmalpflege der Stadt Aachen und die Lousberg-Gesellschaft die Initiative für eine Informationsveranstaltung zum Thema Parkpflegewerk ergriffen. In der Sitzung mit Vertretern der zuständigen Ämter, Mitglieder der Ratsfraktionen und des Landschaftsbeirats, wurde von Frau Engelen über das Planungsinstrument Parkpflegewerk referiert, das für die nachhaltige Pflege eines Parks von historischer Bedeutung notwendig sei; der Vorsitzende des Arbeitskreises Prof. G. Curdes formulierte abschließend eine Empfehlung:

- Angesichts der historischen Bedeutung des Lousbergs und der Notwendigkeit, für Eingriffe, Veränderungen und Pflege gesicherte Grundlagen zu haben, ist eine wissenschaftlich und fachlich gesicherte Grundlage unabdingbar.
- Der Stadt wird daher empfohlen, die begonnenen Vorarbeiten zügig abzuschließen und noch in diesem Jahr den Auftrag zur Erstellung eines Parkpflegewerkes zu erteilen.
- Vorher sollte ein Netzwerk der sachkundigen Vereine und Personen gebildet werden, um das vorhandene umfangreiche Wissen in den Prozess einzubringen.
- Die Anwesenden haben sich bereit erklärt, daran konstruktiv mitzuwirken.
 
Ende Mai auf der Veranstaltung anläßlich der Verleihung des Plakette des Europäischen Gartennetzwerkes im Pavillon, zeigte sich der Oberbürgermeister interessiert an der Restaurierung des maroden Gitters, die nach unserer Meinung bald in Angriff genommen werden muß. Hier würden wir der Stadt mit einer Spendenaktion behilflich sein.
 
Das Gelände St. Raphael ist inzwischen verkauft. Wir halten eine Angliederung des Geländes für wünschenswert und hoffen, dass die Stadt ihr Vorkaufsrecht in bezug auf den Müschpark und Talbotwiesen in Anspruch nimmt.
 
Wie Lousbergbesucher inzwischen bemerkt haben, mußte die Stadt im Juli eine große Anzahl der gespendeten Jungbuchen entfernen, da sie vom Buchenprachtkäfer befallen waren. Eine Expertin des Pflanzenschutzdienstes der Landwirtschaftskammer NRW hat den Schaden begutachtet. Die Buchen waren erst im April 2006 gepflanzt worden und haben ihrem fachlichen Urteil nach sehr stark unter der Hitzeperiode im Juni-Juli gelitten. Die verbliebenen Bäume sollen mit einem Insektizid behandelt werden. Außerdem empfiehlt sie dringend, „als grundsätzliche Maßnahme zur Bestandshygiene die Beseitigung von Totholz aus der Parkanlage zu erwägen.“ Die entfernten Bäume werden auf Kosten der Stadt neu gepflanzt.
 
Bis zum Fest am 1. August sind die Gartenanlagen rund um den Pavillon erneuert und die Wege frisch bekiest worden - in einer bewundernswerten Leistung von Sozialwerk und Mitgliedern der Lousberg-Gesellschaft unter Leitung unseres Landschaftsarchitekten Hans Sauren.
 
Anfang August wurde im Beisein von Oberbürgermeister Dr. Linden im Rathaus das Buch unseres Mitglieds Karlheinz Dannert über die Nizzaallee der Presse vorgestellt. Innerhalb von nur drei Monaten war die erste Auflage (400 Exemplare) verkauft. Wir haben uns dann für eine zweite Auflage entschieden (230 Exemplare), von der jetzt nur noch 80 Exemplare vorhanden sind.
 
Das Sommer- bzw. Jubiläumsfest „200 Jahre Lousberg-Park“ war dann das große Ereignis im August: Es war ein wunderschöner Sonnentag, der Scharen von Menschen auf den Lousberg zog - es war auch ein Fest über die Grenzen, denn wir hatten zusammen mit der Stadt 200 Familien mit Namen „Lousberg“ aus der gesamten Euregio eingeladen - sie wurden herzlich begrüßt durch den Oberbürgermeister. Mit einem vielfältigen Programm mit Musik, leckeren Speisen auf der Wiese zwischen den Säulen, Führungen, einem literarisch-musikalischen Spaziergang, Kinderspiel und vielen weiteren Attraktionen vergnügten sich die Besucher an diesem Tag auf dem Lousberg. Ein besonderes Ereignis war der Auftritt von 30 chinesischen Partnerschülern des Kaiser-Karls-Gymnasiums, die sich mit Liedern und Tanz für die Einladung bedankten und sicher vom Lousberg bis ins ferne China berichten werden.
 
Im September wurde im Pavillon die Ausstellung mit dem Wandbild „PER ASTERA AD ASTRA“ der Malerin Johanna Roderburg eröffnet, das noch immer zu sehen ist und dem Raum ein zusätzliches Ereignis bietet.
 
Noch im September hielt Dr. Peter Gleißner vom Umweltamt der Stadt Aachen einen Vortrag über die Gartenplanung auf dem Lousberg in den 200 Jahren seit dem Beschluß von 1807, den kahlen Berg zu bepflanzen und zu einem Park mit vielfältigen Spazierwegen auszugestalten.
 
Nach dem großen Erfolg auf dem Sommerfest wurde der literarisch-musikalische Spaziergang über den Lousberg im Oktober wiederholt . Das Theater K mit Mona Creutzer und Christian Cadenbach und der Frauenchor Charivari bezauberten und beeindruckten die zahlreichen Besucher.
 
Mit dem Vortrag über die „Ballone über Aachen - zur Geschichte der Ballonfahrt“ von Prof. W. Hallmann wurden wir im Oktober daran erinnert, daß im 18. Jahrhundert eine große Ballonbegeisterung Aachen erfaßt hatte, besonders unerschrocken zeigten sich die Damen. An diese Fahrten erinnert das berühmte kleine Bild „Francois Blanchard im Luftballon über Aachen - Ansicht von der Burtscheider Höhe“ von 1786, das sehr deutlich den damals noch kahlen Lousberg zeigt und den tiefen Einschnitt zum Salvatorberg.
 
Mit dem Kneipp-Verein und Bürgermeisterin Ströbele haben wir im Oktober 3000 Schritte auf dem Lousberg zurückgelegt - wie es die Aachener Bundesgesundheitsministerin für jeden Tag empfiehlt. Eine beachtliche Zahl mutiger Teilnehmer stapfte zum Schluß noch im Storchengang durch das schon ziemlich kalte Wassertretbecken. Hinterher gab es zur Belohnung einen Schrittzähler und ein warmes Getränk im Couven-Pavillon.
 
Im Oktober fand auch wieder ein Erzählcafe statt. Hier haben alte Lousberger Gelegenheit in gemütlicher Runde alte Erinnerungen auszutauschen, die wir auch einmal mit alten Bildern illustriert, zu einer Ausstellung oder Dokumentation über das Leben am Lousberg, veröffentlichen wollen. Wer am Erzählcafe Interesse hat, melde sich bitte bei Frau Thoste Tel. 15 61 78.
 
Dietmar Kottmann, Vorsitzender der Laurensberger Heimatfreunde, hat uns in einem Vortrag im November die besondere Bedeutung des Lousbergs für die Stadt Aachen in vielen Bildern und Dokumenten anschaulich nahe gebracht.
 
Um den Pavillon herum wurde im Herbst auch wieder praktisch gearbeitet : Unter der Anleitung unseres Mitglieds Hans Sauren wurden mit Hilfe tatkräftiger Mitglieder und von Frau Sommer mit ihren „Lousbergern“ das Pavillon-Umfeld weiter gestaltet, Pflanzungen ergänzt, Pflasterungen am Gitter vorgenommen und dem Couven-Pavillon ein würdiges Umfeld gegeben.
 
Die Familie von Reis hat das barocke Brünnchen an der Treppe des Pavillongartens wieder zum Plätschern gebracht. Herzlichen Dank für diese Initiative!
 
Die Buchenallee ist wieder repariert. Ende November wurden die Ersatzbäumchen gepflanzt. Es sind sogar einige dazu gekommen, zwei Bäume warten noch auf Paten. Die Namensschilder werden bald wieder angebracht.
 
Den musikalischen Ausklang des Jubiläumsjahres gestalteten im Dezember Susanne Schrage (Flöte) und Hans-Werner Huppertz (Gitarre) auf alten und neuen Instrumenten; ihr lebhaft gestaltetes Spiel schien die Bäume vor den Fenstern zu bewegen und sogar zum Tanzen zu bringen.

Der vorweihnachtliche Vormittag klang mit anregenden Gesprächen, bei Wein und selbstgebackenen Köstlichkeiten aus. Wieder zeigte sich, dass der Pavillon ein wunderbarer Rahmen für die Veranstaltungen der Lousberg-Gesellschaft ist. Ein großer Dank an alle Helfer und die Unterstützer des Pavillons !
 
 
Die Presse berichtet gerne und ausführlich über unsere Aktivitäten.
 
Der Vorstand der Lousberg-Gesellschaft tagt wie immer monatlich und wird von einem engagierten Beirat unterstützt.
 
Februar 2008
Sibille Spiegel - Stellv. Vorsitzende